Maketu, 11.-12.11.2010

Und schon verlassen wir das wunderschöne Hostel in Raglan auch wieder. Ich bin froh, bereits zu Schulzeiten den Leistungskurs „Busfahren“ belegt zu haben, denn so stört es mich nicht wirklich, dass sich unsere Reise in die Länge zieht, weil Mr. Scoobs, unser charakterreicher Bus nicht wirklich gut darin ist, die zahlreichen Berge hinaufzuschnaufen. Er macht seltsame Geräusche, wir müssen hin und wieder anhalten und irgendwann findet Curry heraus, dass der Gute einfach regelmäßig neues Wasser braucht. Das war natürlich nicht nur heute so, sondern schon mehr oder weniger von Beginn. Das Schöne an solchen Zwischenfällen ist ja, dass sie äußerst gut für die Gruppenbildung sind. Gut für’s Rollengerechte Verhalten ist es auch, denn sobald jemand eine Motorhaube öffnet, scheinen sich alle männlichen Passagiere dazu berufen, hineinzuschauen und etwas zu sagen. Und dabei hab ich weder die Worte „schlau“ noch „sinnvoll“ verwendet…

Die entschleunigte Form des Reisens gibt mir mehr Zeit, die wunderbare Landschaft anzustarren. Hauptsächlich grüne Hügel. Und wenn ich grün sage, dann meine ich ein strahlendes Grün, dass schon fast in den Augen weh tut. Zur Beruhigung gibt es überall ein paar dekorative Schafe…. schön. Außerdem gibt es hier extrem viele Kühe. Genauergesagt Hangkühe, die sich, wenn oben auf einem Hügel stehend, alle in die gleiche Richtung wenden. Lange habe ich mit meiner Sitznachbarin Caroline diskutiert… es gibt nur eine Lösung: wie auch Hangpferde haben die Kühe wohl zwei lange und zwei kurze Beine. Das erklärt auch, warum die Kälber noch durcheinander laufen: da haben sich ja die Beine noch nicht vollständig entwickelt. Solltet ihr eine andere Lösung haben, mailt mir. Bis dahin glaube ich einfach, was ich möchte. Mache ich ja ohnehin gerne.

Das heutige Aktivitäts-Angebot klingt schon wieder spannend, wer möchte sich schon Glühwürmchenhöhlen entgehen lassen? Der Spaß, den ich buche nennt sich „Tumu Tumu Tubing“ und behinhaltet neben Laufen und Schwimmen in der Höhle auch das gemütliche Treiben lassen in einem alten Autoreifen. Natürlich gibt’s auch hier wieder einen Neoprenanzug. Langsam gewöhne ich mich daran und das Anziehen ist schon nicht mehr ganz so kompliziert. Dazu gibt es Gummistiefel und einen Helm mit Licht. Das kann ja munter werden…

Unsere Guides sind ein Maori und ein Hobbit. Der klassische Kiwi-Mix und die beiden lassen uns gleich wissen, dass man am besten gar nichts ernst nehmen sollte, was sie sagen. Trotzdem glauben einige, dass wir uns in der Höhle aufpassen müssen, dass uns keine verirrten Schafe auf den Kopf fallen. Daher die Helme… alles klar…

Im Gegensatz zu meinem letzten Höhlenabenteuer ist das Tubing nicht wirklich anstrengend, aber ebenfalls ein großer Spaß. Nachdem wir über eine seltsame Leiter in die Höhle geklettert sind laufen wir durch etwa knöchelhohes Wasser und ich denk mir noch: „Mist, ich hab ein Loch im Gummistiefel!“ Wie bescheuert der Gedanke ist, merke ich nach der nächsten Abbiegung, dann stehe ich nämlich bis zum Bauchnabel im Nass und das Wasser sucht sich den einfacheren Weg durch den Schaft direkt zu meinen Füßen. Und ab da ist dann auch alles egal. Wir bemalen uns mit Schlamm, schwimmen, waten, klettern und springen irgendwann rückwärts mit dem Reifen am Hintern ins Wasser. Ineinander gehakt lassen wir uns dann durch die Höhle ziehen, singen alberne Lieder und beobachten dabei den Glühwürmchen-Sternenhimmel. Es ist faszinierend, wie hell die Viecher sind. Die reine Glühwürmchen-Beleuchtung reicht aus, um immerhin unsere eigenen Füße sehen zu können. Von wegen Energiesparlampe, wir brauchen Riesenglühwürmchen! Und das beste ist: die glühen, weil die ihre eigene Sch… Exkremente verbrennen! Das ist doch perfekt. Reproduziert die Tierchen und wir haben ein großes Umweltproblem gelöst!

Und auch für den Abend hat sich Stray wieder etwas Besonderes für uns ausgedacht. Eine „Cultural Experience“. Was es genau bedeutet: Ein typisches Essen (regionaler Fisch, Reis und Gemüse), dann sehen wir eine kurze Maori-Show und im Anschluss lernen die Jungs den „Haka“ (Ritualtanz der Maori-Männer, äußerst sehenswert!) und wir einen lustigen Tanz mit Pois (mit Watte gefüllte Plastikfolie an Schnüren). Also lustig war das alles und in gewisser Weise auch interessant, aber schon irgendwie auch seltsam und nicht so ganz das, was ich mir unter einer „kulturellen Erfahrung“ vorstelle.

So langsam verbreitet sich eine gewisse Ferienlagerstimmung. Nicht nur, weil wir mit ca. 40 Leuten auf einem Matratzenlager nächtigen, sondern auch durch die Busfahrerei und die Aktivitäten. Sowas hatte ich ja schon seit Jahren nicht mehr…

Hinterlasse eine Antwort

Benutze deinen richtigen Namen. Ich veröffentliche keinen Keyword Spam.

*