Honolulu, 25.-27.10.2010

Hawaii ist kaputt. Vermute ich jetzt mal, denn keiner hängt mir zur Begrüßung eine Blumenkette um den Hals (für die Wortspieler unter uns: „I didn’t get lei’d“), nirgends sind die sanften Klänge einer Ukulele zu hören und außerdem regnet es. So hatte ich mir das jetzt nicht vorgestellt… Wenigstens trägt mein Busfahrer ein Hemd mit Palmen drauf und auf einige Straßenschilder sind Blumenranken aufgemalt. Irgendjemand legt also doch noch Wert auf die guten alten Stereotypes… aber ob dies wirklich das Paradies ist?

Mein Hostel liegt in Waikiki (ja… ich muss auch immer kichern, wenn ich das sage) und ich gehe nicht davon aus, dass ich die Ecke besonders mag. Touri-Hochburg eben, aber gerade hätte ich gerne zwei Tage Klischee-Hawaii und dann auf nach „Big Island“, Vulkane gucken. Jetzt aber will ich ersteinmal einen großen Cocktail. Mit Schirmchen. Das sollte ja wohl kein Problem sein, denk ich mir.

Pustekuchen! Soviel zu meinem jugendlichen Leichtsinn… Das Einzige, was es hier wirklich überall gibt, sind Schmuck und Klamottenstände, Fastfoodläden und ABC-Shops, in denen es alles von Souveniers bis Lebensmittel gibt. Hallo Hawaii??? Was soll denn das??? Oder muss ich sagen „Aloha Hawaii“, damit du meinen Unmut verstehst?

Einen wegen mangelnder Genießbarkeit nur halben Veggie-Burger später kehre ich ins Hostel zurück und versuche es erst einmal mit Schlaf. Dunkel ist es ohnehin schon seit sechs Uhr. Da hat mal wohl mehr von den lauen Sommerabenden… komisch.

Mal sehen, wann es wieder hell wird. Vermutlich früh… ja, es ist früh, allerdings nicht ganz so früh, wie meine Mitbewohnerinnen wach werden. Da ist es nämlich noch dunkel, aber ich bin dann auch wach und frage mich, wie spät es denn sein könnte. Reisen verwirrt, schließlich machen Tag und Nacht überall etwas anderes. Mal beginnen sie früher, mal später und selbst, wenn man sich um lange Zeitverschiebungen drückt, ist es doch immer wieder spannend.

Sobald sich die Sonne durchkämpft, höre ich neben Sturm und Regen vor meinem Fenster ein Rudel Vögel, das den Anfang der „Königin der Nacht“ trällert. Und wenn ich vom Anfang spreche, meine ich „Dadada da da da da“ und da bricht es ab und geht von vorne los. Sowas kenne ich eigentlich nur von nervigen Kindern im Zug, die lediglich die erste Strophe diverser Weihnachtslieder kennen… Ich bin irgendetwas zwischen genervt und amüsiert… vielleicht sollte ich meine Stimmung mal genauer analysieren.

Das Gute am erneuten Wechsel in eine andere Zeitzone ist, dass ich wach und fit bin, obwohl es erst sieben Uhr ist und so beginne ich kurzerhand den Tag.

Auf Hawaii merkt man ganz eindeutig, dass hier nicht nur vor einigen Jahren die Japaner auf die Amerikaner getroffen sind, sondern sich ganz allgemein die amerikanische „Kultur“ mit der asiatischen Kultur vermischt. Besonders deutlich wird das in den Souvenier-Läden. Warum auch immer ich diese an jedem Ort besuche… vermutlich quäle ich mich gerne selbst. Mittlerweile habe ich den gleichen Flaschenöffner und die gleichen Schnapsgläser schon von mindestens zehn verschiedenen Orten gesehen, aber jede Region und jede Stadt hat darüber hinaus doch wieder ihre Besonderheiten, die man mit einem kurzen Blick in diese Geschäfte sieht.

Hier sind natürlich überall Blumen drauf. Spontan fällt mir nichts ein, was es hier nicht in geblümt gibt. Hier vermischt sich amerikanische Sportlichkeit mit Blumen und asiatischem Plastikgeruch der Billigprodukte… Dass man hier nicht noch Geld dazu bekommt, wenn man T-Shirts kauft, wundert mich schon fast. Warum erscheint das vermeintliche Paradies denn so billig?

Es ist eigenartig… mein Bild von Hawaii war irgendwie anders… paradiesischer, aber was ich hier sehe sind Hotelburgen, Kitsch, Strandabschnitte, die erahnen lassen, dass sie bei schönerem Wetter überfüllt sind, groben Sand, grauen Himmel und Regen. Immerhin Palmen gibt. Zwar liegt ein Hauch von Glamour über schicken Hotels und den teuren Boutiquen, aber schon alleine die „Vorsicht, nasser Boden“-Schilder (aufgestellt wegen des Regens, nicht weil hier gerade frisch geputzt ist) lassen diesen nur allzuschnell verfliegen. Was die Insel-Amis offensichtlich beherrschen, ist Marketing, denn neben mir scheinen einige desillusioniert.

Mit meinem Unmut über meine nicht erfüllten Erwartungen gehe ich mir relativ schnell selbst auf die Nerven, also laufe ich noch ein Wenig durch die Gegend, freue mich, dass es einen Berg im Hintergrund des Strandes gibt (Diamant Head, Vulkan) und konzentriere mich darauf, hier eh bald weg zu sein.

Hinterlasse eine Antwort

Benutze deinen richtigen Namen. Ich veröffentliche keinen Keyword Spam.

*