Ottawa, 02.-04.08.2010

Obwohl mir alle erzählen, dass die Stadt doof ist, fahre ich weiter nach Ottawa. Man kann ja schließlich nicht einfach die Hauptstadt ignorieren. Und kaum dort angekommen, bin ich auch schon im Knast.

Nein, nicht wegen irgendeiner Straftat, sondern, weil ein ehemaliges Gefängnis, nachdem es wegen zu gruseliger Haftbedingungen geschlossen wurde, in ein Hostel umgewandelt wurde. Und das hat was. Die Zimmer sind ehemalige Zellen, überall grauer Beton. Gemütlichkeit ist etwas anderes, aber es ist cool. Am Abend erfahre ich bei einer Führung, dass die Zellen für 2-3 Personen waren, also sehr, sehr eng und unmenschlich. Als ich später so in meinem Bett liege, betrachte ich den Raum einmal genauer… ja… die haben hier zwei Zellen zusammengelegt… dafür schlafen wir hier mit 6 Personen und es ist wirklich genug Platz. Unmenschlich ist es demnach nur, wenn man keine Stockbetten hat. Aber da wir auch die Folterkammer und den Galgen sehen, wird mir doch noch klar, warum das Gefängnis geschlossen wurde. Und die Einzelzellen sind auch alles andere, als nett…

Die Stadt selbst hat allerdings in der Tat nicht viel zu bieten, aber doch mehr, als ich dachte. Es gibt kostenlose Führungen im Parlament und alleine die Organisation beeindruckt mich. Man geht an einen Infoschalter und bekommt ein Ticket mit einer Uhrzeit. Dann kann man tun was man will, bis es soweit ist und bekommt dann eine Führung mit richtig gut geschulten Guides. Und die Gebäude sind es wirklich wert, einmal von innen gesehen zu werden. Besonders die Bibliothek in einem runden Raum mit Kuppel. Leider gibt es dort nicht diese verschiebbaren Leitern, sonst wäre es wirklich ein netter Anbau für meine zukünftige Wohnung.

Außerdem gibt es das „Museum of Civilisation“, das nicht nur in einem wunderschönen Gebäude untergebracht ist, sondern außerdem wohl die am besten gemachte Ausstellung enthält, die ich je gesehen habe. So gibt es zum Beispiel einen Nachbau einer kleinen Stadt, der zeigt, wie es so aussah, als dann die Europäer da waren. Alles ist in Originalgröße nachgebaut und ich wundere mich zuerst, ob es so schnell so spät geworden ist, weil es bereits dämmert und entdecke dann, dass ich mich in einem Raum befinde! Wirklich beeindruckend.

Darüber hinaus nutze ich die Zeit in Ottawa, um mich ein wenig zu organisieren. Meine Reise weiterzuplanen, Wäsche zu waschen und mein Gepäck zu reduzieren… ja Felix… ich gebe es nur ungerne zu, aber zu hattest recht. Dafür lag ich richtig mit der Aussage, dass ich mich immer noch von einigen Dingen trennen kann und so kommt alles weg, was ich bisher nicht gebraucht habe. Außer der warmen Kleidung.

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